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Othello (Uraufführung)

Ballett von Ralf Dörnen
frei nach William Shakespeare
Musik von Michio Woirgardt
(Auftragskomposition des Theaters Vorpommern)

Termine

  • 05.04.2020 18:00 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • entfällt
  • 18.04.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • entfällt
  • 25.04.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 01.05.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • Zusatzvorstellung und
    LETZTE VORSTELLUNG IN DIESER SPIELZEIT!
  • Karten kaufen

Der Fähnrich Jago sinnt auf Rache, weil nicht er, sondern Cassio vom Mohren Othello zum Hauptmann ernannt worden ist. Er inszeniert eine Eifersuchtstragödie, indem er Cassio eine heimliche Liebschaft mit Desdemona, Othellos weißer Ehefrau, andichtet. Die Eifersucht macht Othello rasend. Doch er fordert Beweise. Durch ein Taschentuch Desdemonas, das er in den Händen Cassios findet, glaubt er sich bestätigt und erdrosselt seine geliebte Frau. Als die Wahrheit kurz darauf ans Licht kommt, erdolcht sich Othello. Die große Tragödie Shakespeares handelt vom Machtkampf zwischen Männern — und ihrer Angreifbarkeit, wenn sie scheinbare Schwächen offenbaren. In dieser Logik werden Liebe, Vertrauen, selbst die eigene Hautfarbe zu Waffen, die gegen einen selbst gerichtet werden.
Ralf Dörnen inszeniert und choreographiert das Spiel um Misstrauen und Eifersucht, Intrigen, Neid und menschliche Abgründe auf die atmosphärisch dichte, rhythmische und emotionale elektronische Musik von Michio Woirgardt, die dieser als Auftragsarbeit des Theaters Vorpommern komponiert.

Wir danken dem Produktionssponsor:

PRESSESTIMMEN

Stralsunder feiern „Othello“ mit frenetischem Jubel

Neue Ballettinszenierung von Ralf Dörnen am Theater Vorpommern zeigt menschliche Abgründe

Nicht enden wollender Applaus, Bravo-Rufe, Standing Ovations und ein wahres Gedränge bei der sich anschließenden Feier im Foyer – besser hätte die Ballettpremiere von „Othello“ am Theater Vorpommern in Stralsund am Sonnabend nicht laufen können. Dabei standen die Vorzeichen für Ralf Dörnens neueste Produktion unter gar keinem guten Stern. Denn der Ballettchef hatte gleich mehrere Ausfälle in seiner kleinen, nur 13 Künstlerinnen und Künstler zählenden Compagnie zu verkraften.

Nur wenige Tage vor der Premiere zwang ihn das noch zu Umbesetzungen. Aber Dörnen hat sie gemeistert, auch wenn er nach der Premiere zugab: „Jetzt bin ich aber wirklich fertig…“

Das Publikum jedenfalls war begeistert von seinem Shakespeare. Ganz ohne Worte, aber mit einer dennoch wahnsinnigen Ausdruckskraft. Anregungen dafür hatte sich Dörnen, wie er erzählte, bei einer Inszenierung im Staatsschauspiel Stuttgart geholt.

Großartige Hauptdarsteller

Mit dem dunkelhäutigen Kubaner Miguel Rodrìguez wählte er einen Hauptdarsteller aus, dem der Othello, der Mohr von Venedig, wie auf den Leib geschneidert schien. Auch dessen Ehefrau Desdemona, getanzt von der Südafrikanerin Jemina Bowring war großartig. Ebenso wie Intrigant Jago (Armen Khachatryan). Der Armenier, erstmals mit einer so großen Rolle bedacht, wuchs förmlich über sich hinaus.

Man muss aber allen Darstellerinnen und Darstellern allergrößtes Lob zollen. Mit diesem „Othello“ haben sie künstlerisch eine Marke gesetzt. Man kann sich nur wünschen, dass auch die kommenden Vorstellungen ebenso wie die Premiere ausverkauft sind.

Inhaltlich geht es in Shakespeares um 1603 entstandenem Drama um menschliche Abgründe: Misstrauen, Eifersucht, Intrigen, Neid und Boshaftigkeit. Othello kehrt als siegreicher Feldherr in seine Heimat zurück und ernennt Casio (Davide D’Elia) zum Hauptmann. Jago, der auf diese Stelle gehofft hatte, ist erbost und sinnt nach Rache. Auf perfide Weise sät er Eifersucht zwischen Othello und seiner Ehefrau Desdemona, was letztlich dazu führt, dass der durch seine Kriegserlebnisse traumatisierte Othello sie tötet.

Haushaltsgegenstände machen Musik

Es ist jener finale Moment, in dem die sich aufbauende Dramatik auf der Bühne ihren Höhepunkt erreicht. Angetrieben wird das Geschehen immer wieder durch die großartige Musik von Michio Woirgardt. Der Düsseldorfer, derzeit einer der gefragtesten Komponisten und Livemusiker für Ballett und zeitgenössischen Tanz deutschlandweit, hat sie als Auftragswerk eigens für diesen „Othello“ geschaffen.

Drei Elemente habe er dabei verarbeitet, sagt er: elektronische Musik, Orchester und von ihm bearbeitete Sounds, die einfach mittels verschiedenen Haushaltsgegenständen erzeugt werden.

Viel Lob für neue Ideen

Musik und Tanz bilden eine einzigartige Harmonie. Aber auch die Ausstattung verdient ein Kompliment. Klaus Hellenstein aus München, schon oft am Theater Vorpommern zu Gast, hat zwar die Bühne leergeräumt, wie er erklärt, dafür aber einen Bühnenhimmel geschaffen, der Atmosphäre schafft. In farbiges Licht getaucht von Thomas Haack, heizt er zusätzlich Stimmungen an. Dazu tragen auch Videos bei, die auf die von Hellenstein verwendeten Platten projiziert werden.

„Ich bin immer wieder begeistert, mit welch neuen Ideen Ralf Dörnen aufwartet.“ Auch nach über zwanzig Jahren am Haus wirke bei ihm nichts wie schon mal gesehen, lobte Dirk Löschner, der Intendant des Theaters Vorpommern, diese neue Inszenierung seines Ballettdirektors. (von Reinhard Amler)

Ostsee-Zeitung, 03.02.2020