Die Fischbrötchenoper (Uraufführung)

Eine musikalische Vorpommernchronik
von Patrick Schimanski, Stefan Hufschmidt und Sebastian Undisz

Termine

  • 28.12.2019 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 17.01.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen
  • 31.01.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 06.02.2020 19:30 Uhr Maritim-Hotel, Kaiserbädersaal, Strandpromenade, Heringsdorf Karten kaufen
  • 14.03.2020 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen

Die Zeiten vergehen, Bernds Fischbude an der Ostsee bleibt bestehen! Seit hundert Jahren verkauft Bernd dort seine Fischbrötchen und sein Bier. Seit hundert Jahren ist er gleich alt, während die Kundschaft kommt und geht. Bernds Fischbudenwagen hat alles überdauert: Kaiserzeit, zwei Weltkriege, Sozialismus und Kapitalismus. Die Kunden und die Zeiten ziehen vorbei, Bürgersleut und Proletarier, Jugend auf der Suche nach Vergnügen, Swingtänzer, Blaskapellen, Pioniere und Rock´n Roller, Männer ohne Frauen, Frauen ohne Männer, Wessis und Ossis. Hippies, Technotänzer, Punker, Rapper, Reiche, Arme, Junge, Alte - irgendwann braucht jeder ein Fischbrötchen. Und ein Bier. Weil das Leben so salzig ist…

In einer musikalischen Strandrevue besingen wir einhundert Jahre Vorpommern. Lieder zum Nachdenken, zum Träumen, zum Mitsingen oder leicht mit der Schuhspitze wippen. Für alle, die hier ihre Heimat haben oder es zu ihrer machen wollen. Für Einwohner, Zugereiste und Gäste!

 

 

Das Theater Vorpommern dankt für die Unterstützung

Text

PRESSESTIMME

Vorpommern als Musik-Revue

Premiere am Stralsunder Theater: Die „Fischbrötchenoper“ stellt in zweimal 45 Minuten die Region vor. Alles passiert dabei mit viel Augenzwinkern und noch mehr Selbstironie.

Das Stralsunder Theater hatte am Sonnabend in die Oper eingeladen. In die „Fischbrötchenoper“. Weil aber kaum jemand von den Zuschauern damit etwas anfangen konnte, sah man zunächst in viele fragende Gesichter. Was sich schnell änderte. Denn mit zunehmender Spieldauer ging das Publikum richtig ab, klatschte, johlte, amüsierte sich. Und zum Schluss? Da war es aus dem Häuschen. Mit lang anhaltendem Beifall wurden die Darstellerinnen und Darsteller verabschiedet. Nach zwei Zugaben wohlgemerkt.

So etwas kommt nicht immer vor. Schon gar nicht bei den doch eher als zurückhaltend geltenden Vorpommern. Aber genau um sie geht es in der „Fischbrötchenoper“. In zweimal 45 Minuten werden hier nämlich Land und Leute vorgestellt. Mit viel Augenzwinkern, wie Regisseur Patrick Schimanski vorab bereits erklärt hatte.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein Fischbrötchenstand, an dem Bernd (Stefan Hufschmidt) seit gefühlt 100 Jahren Fischbrötchen verkauft. Die Bude hat alles überdauert: Den Kaiser, selbst die Weltkriege und den Sozialismus. Bernd, der einer der Ideengeber für die „Fischbrötchenoper“ war, kommt ins Gespräch mit dem Angler Lutz (Lutz Jesse), der eben solange hier wohnt und seinem Hobby frönt. Beide snacken über Vorpommern. Auch ein bisschen auf platt. So entstehen heitere Dialoge. Bernd singt auch und begleitet sich dazu auf der Gitarre.

„Die Fischbrötchenoper“ hat keine wirkliche Handlung, sondern zeichnet sich durch facettenreich verwobene Stücke aus. Vom Genre her ist es ein bisschen Schauspiel, aber auch Musical steckt drin. Die Macher selber sprechen von einer musikalischen Revue. In die fühlen sich die Zuschauer offenbar gut einbezogen. Denn sie erkennen sich auf der Bühne wieder.

Und das schafft Identität. Und damit etwas, was bei vielen Menschen im östlichen Landesteil im wirklichen Leben oft nicht so richtig aufkommen will. Deshalb verwundert es auch nicht, dass kleine Pfeile Richtung Schwerin abgeschossen werden, von wo zum Beispiel bis heute noch kein Cent für den schon vor Monaten verkündeten Erhalt des eigenständigen Theaters Vorpommern eingetroffen ist.

Aber wie gesagt, alles passiert mit viel Augenzwinkern. Und noch mehr Selbstironie. Denn da wird auf der Bühne auch schon mal gefühlt mehrere Minuten geschwiegen. Und selbst das honorieren die Zuschauer mit viel Beifall. Weil sie wissen, dass der Vorpommer eben so ist, wie er ist: schweigsam und nicht redselig.

Wie es sich für eine musikalische Revue gehört, erklingt viel Musik. In großer Bandbreite. Von den Doors über die Beatles, Extrabreit, Pink Floyd bis hin zur DDR-Band „Juckreiz“ ist alles dabei. Es gibt auch einen Vorpommern-Song und ein Lied vom Hering. Dafür hat vor allem der musikalische Leiter Sebastian Undisz gesorgt. Er selbst greift auch zu mehreren Instrumenten und wird dabei von Schlagzeuger Björn Verwendel von der Greifswalder Band „Krach“ tatkräftig unterstützt.

Den Schauspielerinnen und Schauspielern Annett Kruschke, Claudia Lüftenegger, Mario Gremlich und Felix Meusel wird alles abverlangt. Gesanglich und an Bewegung. Sie müssen singen, tanzen, manchmal auch wild hopsen und vor allem immerzu in andere Personen schlüpfen. Das bedeutet permanentes Um- und sogar Ausziehen. Denn an der vorpommerschen Küste gibt es schließlich auch FKK. Klamauk ist angesagt, aber kein Kitsch.

Alles geschieht mit großer Lust und noch mehr Leidenschaft. Und die springt wie ein Funke aufs Publikum über. Wie sagte es der Intendant des Theaters Vorpommern, Dirk Löschner, bei der Premierenfeier doch sehr treffend. „Wer noch gemeint hätte, Vorpommern könne nicht inspirierend sein, der wurde heute eines Besseren belehrt.“

Reinhard Amler, Ostsee-Zeitung