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Die Hamletmaschine

von Heiner Müller

Termine

  • 29.12.2019 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 15.01.2020 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 30.01.2020 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 05.02.2020 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 08.03.2020 18:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen

„Die Hamletmaschine“, 1977 geschrieben, ist Heiner Müllers persönlichster Versuch, auf dem Theater über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Shakespeares Figuren Hamlet und Ophelia benutzend, wird Erfahrenes und Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt ebenso assoziiert wie die unausweichliche Logik von Töten und getötet werden, von täglicher Gewalt, Unterdrückung, Ausgeliefertsein und Unterwerfung.
Sein Stück war die bis dahin nachhaltigste und radikalste Infragestellung bürgerlicher Theaterpraktiken und -gewohnheiten durch einen
Dramatiker, der Theatergeschichte schrieb. Das Stück selbst ist eine Text- und Bildmaschine, angeschlossen an kulturelle und literarische Paradigmen der Moderne, sie zitierend, transformierend und negierend. In der DDR konnte der Text erst ab 1989 gespielt werden, als Müller ihn in seine legendäre Hamlet-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin einmontierte. Zum 30-jährigen Jubiläum dieser Aufführung fragen wir nach seiner Aktualität unter den neuen Verhältnissen: „Ich bin/ Ein Privilegierter Mein Ekel/ Ist ein Privileg/ Beschirmt mit Mauer/ Stacheldraht Gefängnis.“

PRESSESTIMMEN

Annett Kruschke und Reinhard Göber nehmen sich an zwei Abenden Heiner Müllers und Shakespeares Zweiflerdrama vor

Theatermachen. Kämpfen. Sein.

von Frank Schlösser, nachtkritik.de

Das Programmheft setzt Greta Thunberg gegen Donald Trump. Denn natürlich ist nicht nur im Staate Dänemark etwas faul. "Die Zeit ist aus den Fugen" beschreibt den globalen Normalzustand. Doch kein Grund zur Sorge: auf dem Theater bereitet nur der Partyhit zur Hochzeit von Gertrud und Claudius Bauchschmerzen wegen der brutalen Dummheit des Refrains und seiner martialischen Bässe. Die Hochzeitsgesellschaft danct durch die Festung am Meer – oder durch den Bauch eines Kreuzfahrtschiffes. Willkommen bei Shakespeare, willkommen in Helsingör, willkommen im Hier und Jetzt.

Zwei mal Hamlet an zwei Abenden

Schon am gestrigen Freitagabend war Hamlet die Hauptfigur. Der Autor hieß hier noch Heiner Müller und die Bühne war um einiges kleiner. Zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler zeigten die "Hamletmaschine" vor einem mit 80 Besuchern voll besetzten Parkett des Rubenowsaales – so heißt die Studiobühne des Theaters Vorpommern in Greifswald. Dreißig Jahre nach der Wende befragt Regisseurin Annett Kruschke den Text, mit dem der Dramatiker sich 1977 selbst dekonstruierte – besser: Seine Position als Intellektueller in der DDR so weit in Frage stellte, dass es dem beruflichen Selbstmord gleichkam.

Diese wenigen Seiten sind bis heute ein Erguss der Verzweiflung, nicht einmal halb fertig als Stück konstruiert. Nicht immer lässt sich auch nachvollziehen, ob hier der Autor oder seine Figur zum Publikum spricht oder wann die Rede in eine Regieanweisung übergeht.

Damals konnte der Text als eine Auseinandersetzung mit dem Opportunismus gelesen werden – so wie er allen DDR-Intellektuellen ideologisch angetragen wurde: Kritik? Ja, gerne, aber bitte nur bei Einhaltung einiger Tabuzonen. "Ich will nicht mehr essen (…) ich nehme Platz in meiner Scheiße" – das ging 1977 so natürlich nicht. Kein Wunder, dass die "Hamletmaschine" innerhalb der DDR keine Wirkung entfalten konnte. 1979 wurde sie in Paris uraufgeführt, erst 1990 folgte das Deutsche Theater in Berlin – übrigens auch zusammen mit einem Shakespeare-Hamlet.

Lach doch mal, Hamlet Müller!

Die Inszenierung in Greifswald geht unentschieden mit dem Stoff um. In den schwarz-weißen Kostümen (Ausstatterin Indra Nauck gibt ihr Debüt am Theater Vorpommern) klingt schon die Commediadell'Arte an und über weite Strecken wird die "Hamletmaschine" in Klamauk und als Groteske übersetzt. Doch das war nur die Folie, auf der die Verzweiflung ausgebreitet wurde, mit der sich "Hamlet Müller" wegwünschte von dieser Welt.

Kraftvolles, körperliches Spiel auf einer schlichten Bühne aus einer flachen Paletten-Treppe – ein kleiner, guter Theaterabend ohne Hänger. Offensichtlich durften auch die Schauspieler eigene Interpretationen der "Hamletmaschine" einbringen. Genau diese sehr unterschiedlichen Sichtweisen schaffeb die Reibungen des Abends: Harlekin und Columbina arbeiten sich an "Hamlet Müller" ab: Lach doch mal! "Hamlet Müller" versucht es: "Haha."

Die Konfrontationen werden auch von außen in das Stück getragen: Ein Satz von Karl Marx. Ein rotes Kampflied. Tondokumente von Heiner Müller selbst. Fotografien aus sinnlosen Kriegen und verpatzten Revolutionen. Vorbei.

Befragung ohne Antworten

Kann man Heiner Müller heute ernst nehmen oder kann man ihn nur noch grotesk überhöhen? Oder kann man die "Hamletmaschine" heute gar nicht mehr machen? Annett Kruschke leistet es sich, ihre Aufführung grundsätzlich in Frage zu stellen: Die österreichische Schauspielerin Brigitte Antonius sagte die Einladung zur Mitwirkung an diesem Stück am Telefon ab: Es täte ihr leid, aber sie fände den Text grässlich, veraltet und zum Kotzen. Diese telefonische Absage wurde eingespielt, und erntete natürlich Heiterkeit. Den Monolog der gealterten Ophelia hatte im Video-Einspieler Ursula Werner übernommen.

Aber die Befragung bleibt ohne Antworten. Dennoch war sie mehr als eine Erinnerung an frühere Zwänge, unter denen die Intelligenz in der Diktatur des Proletariats zu leiden hatte. Wenn "Hamlet Müller" nicht nur sich selbst, sonder auch gleich die Bühne demontiert, wenn irgendwann doch der Klamauk mit den existenziellen Fragen gekontert wird – dann taucht sie wieder auf, die alte Frage: Leb' ich nicht besser, wenn ich die Hand, die mich ernährt, nicht allzusehr beiße?

Blaugelockter Youtube-Influencer

Doch zurück zu Shakespeare, zurück in den großen Saal, zurück in die Gegenwart. Regisseur Reinhard Göber, Oberspielleiter am Theater Vorpommern, greift sich für seinen Hamlet natürlich die Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch. Seiner Fassung mischt er Alltagsfloskeln bei. Doch Einsprengsel wie "Was soll der Quatsch?" oder "Bist du jetzt völlig bescheuert?" passen zur erklärten Herangehensweise: Hamlet so heutig wie möglich.

Natürlich wird Hamlets Exil in England für Kommentare zum Brexit genutzt, der Rache-Auftrag vom Vater kommt per Twitter von "Ghost_09" und Hamlet demontiert als blaugelockter Youtube-Influenzer sein elterliches Königshaus. Aus Ophelias Abgesang in der Naturapotheke wird eine pharmazeutische Beratung mit Pillen gegen alles, etliche der nötigen Morde werden per Revolver erledigt und irgendwann bittet Hamlet das Publikum, doch mal "Hebenon" zu googeln und ihm zu sagen, was das für ein Giftzeug sein könnte, das in des Königs Ohr geträufelt wurde. Aha: Bilsenkaut vielleicht.

Bei aller Modernisierung kommt keineswegs weniger Shakespeare auf die Bühne. Tobias Bode nimmt sich den Raum, den sein Hamlet braucht – ein Außenseiter, der aber genau weiß, wie das Spiel läuft, das er da subversiv unterläuft. Ophelia und Gertrud werden als starke Gegnerinnen inszeniert: Hier geraten eine sittliche Moral-Schlampe und eine moralische Sittlichkeits-Schlampe wunderbar aneinander. Rosenkrantz und Guildenstern dürfen das entlarvende Schauspiel am Hofe von Helsingör ebenso übernehmen wie das Gespräch der Totengräber an Ophelias Grab – und liefern brillante Momente ab.

Fortinbras in heiterem Kommunistenrot

Selbst der Generationenkonflikt zwischen Laertes und Polonius darf an diesem Abend ausgespielt werden. Nur die andauernde politische Bedrohung durch den norwegischen "Verbündeten" Fortinbras wird geopfert. Aber daran leidet das Familiendrama nicht. Denn der letzte Eindruck des Abends gehört ihm: Fortinbras tritt auf mit einer Krawatte in heiterem Kommunistenrot, besieht sich – höflich lächelnd – das Resultat der europäisch-westlichen Selbstzerstörung und tritt – sich dankbar verbeugend – sein Erbe an.

Zur "Hamletmaschine" vom Vorabend hatte dieser Hamlet keinen Bezug. Jedenfalls keinen direkten. Höchstens, dass Reinhard Göber und sein Greifswalder Ensemble "Hamlet Müllers" Frage "Soll ich in diesen Verhältnissen versuchen, gesellschaftlich relevantes Theater zu machen? Oder soll ich mich mit künstlerischer Unterhaltung zufrieden geben? Soll ich kämpfen oder schlafen? Sein oder Nichtsein?" mit dieser Inszenierung pathosfrei beantwortete: Theater machen. Kämpfen. Sein.

„Die Hamletmaschine“ hat es in sich

Das Stück von Heiner Müller ist schwere Kost. Auf der Bühne spielen sich obszöne Szenen ab.

Im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.

Shakespeares „Hamlet“ nur Zutat

Die „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus. Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“ Erfolgreichster Dramatiker der DDR Müller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke. Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.

Theater Vorpommern setzt auf junge Darsteller

Besetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.

Im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.

Im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.

m Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.Shakespeares
„Hamlet“ nur ZutatDie „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus.Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“Erfolgreichster
Dramatiker der DDRMüller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke.Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.Theater Vorpommern setzt auf junge DarstellerBesetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.
Im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.Shakespeares
„Hamlet“ nur ZutatDie „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus.Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“Erfolgreichster
Dramatiker der DDRMüller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke.Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.Theater Vorpommern setzt auf junge DarstellerBesetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.
Im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.Shakespeares
„Hamlet“ nur ZutatDie „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus.Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“Erfolgreichster
Dramatiker der DDRMüller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke.Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.Theater Vorpommern setzt auf junge DarstellerBesetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.
Im Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.

m Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.Shakespeares

„Hamlet“ nur ZutatDie „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus.Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“Erfolgreichster

Dramatiker der DDRMüller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke.Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.Theater Vorpommern setzt auf junge DarstellerBesetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.

m Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.Shakespeares

„Hamlet“ nur ZutatDie „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus.Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“Erfolgreichster

Dramatiker der DDRMüller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke.Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.Theater Vorpommern setzt auf junge DarstellerBesetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.

m Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.Shakespeares

„Hamlet“ nur ZutatDie „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus.Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“Erfolgreichster

Dramatiker der DDRMüller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke.Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.Theater Vorpommern setzt auf junge DarstellerBesetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.

m Stralsunder Gustav-Adolf-Saal steht „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller jetzt auf dem Spielplan. Zum ersten Mal. Aber das Stück, das selten inszeniert wird, hat es in sich. Denn auf der Bühne spielen sich recht obszöne Szenen ab. Es wird uriniert und vergewaltigt. Und es fallen Sprüche, wie „man sollte die Weiber zunäh’n“ oder „ich nehme Platz in meiner Scheiße“. Frauen reißen sich ihre Büstenhalter vom Leibe.Shakespeares
„Hamlet“ nur ZutatDie „Hamletmaschine“ ist schwere Kost. In Bildern und Sprache. Man hat das Gefühl, Müller hat hier ganz viel in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt. Shakespeares „Hamlet“ wurde lediglich als Zutat benutzt. Aber trotz seiner Obszönität kommt das Stück bei den Zuschauern an. Und das sowohl in Greifswald als auch in Stralsund. Beide Premieren waren ausverkauft. Und es gab reichlich Applaus.Besucherin Claudia Richter aus Stralsund sagt: „Es ist eine einmalige Vorstellung. Toll, dass wir dieses Stück an unserem Theater sehen können.“ Und Johann Jakob Preuß, der in Greifswald die Premiere verfolgte, meinte: „Ich fand die ‚Hamletmaschine‘ sehr interessant, zumal ich ja auch ins Theater gehe, um mich überraschen zu lassen.“ Die Greifswalderin Brigitte Schmollny erklärte, dass sie vor allem die Akteure auf der Bühne überzeugt hätten. Regisseurin Annett Kruschke sei es gelungen, sie zu Höchstleistungen zu animieren. Und das mit Stil. Was das Stück betrifft, schränkt sie ihr Lob allerdings ein: „Ich habe mit Heiner Müller ein Problem“, fügt sie an: „Er ist kein Goethe, dessen Kunst Jahrhunderte überdauert.“Erfolgreichster
Dramatiker der DDRMüller gilt als erfolgreichster Dramatiker der DDR. Er hat das Berliner Ensemble und das Deutsche Theater mitgeprägt. Seine Brecht-Inszenierung von „Arturo Ui“ läuft noch heute am Berliner Ensemble – nach weit über 400 Aufführungen. Die „Hamletmaschine“ ist sein persönlichster Versuch, über die eigene Stellung innerhalb geschichtlicher Abläufe nachzudenken. Sie entstand 1977. Zu einer Zeit, als sich auch Müller hinterfragte, wo sein Platz ist. Denn als Künstler sah er die Grenzen, die ihm die DDR aufmachte, sehr wohl. Andererseits stand er zu ihrer Gesellschaftsform. Über die Mauer hatte er sich sogar gefreut, sagt Annett Kruschke.Erst 1990 kam die „Hamletmaschine“ im Deutschen Theater auf die Bühne, nachdem Müller sie 1979 in Paris uraufgeführt hatte. Am Theater Vorpommern sagt man, Müller habe sich mit dem Werk an Shakespeare abgearbeitet. Dessen Figuren Hamlet und Ophelia benutzt er, um Erlebtes, Tatsächliches und Mögliches in unserer Welt darzustellen. Wie die unausweichliche Logik von Töten und Getötetwerden, von täglicher Gewalt, Ausgeliefertsein und Unterwerfung. Insofern ist es wieder ein aktuelles Stück.Theater Vorpommern setzt auf junge DarstellerBesetzt sind die Rollen mit Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter, vier jungen Schauspielerinnen und Schauspielern, die die DDR nicht mehr bewusst erlebt haben. Das Theater Vorpommern setzt auf ihre Generation, um zu zeigen, dass es Fragestellungen gibt, die bis ins Heute reichen. Zum Beispiel die des Umgangs der Geschlechter miteinander. Oder die des Scheiterns. Des Einzelnen und der Gesellschaft. Annett Kruschke bezeichnet die „Hamletmaschine“ gar als Revolutionsstück.

Kopfsprung in die blinde Praxis

Vorlauf in Sachen „Hamlet" haben sie in Greifswald durchaus: 1964 inszenierte hier Adolf Dresen das Stück mit Jürgen Holtz in der Hauptrolle. Nach wenigen Vorstellungen wurde die Inszenierung abgesetzt, denn zu sehr hatte Dresen den Gedanken forciert, dass die Zeit der Politik eine andere sei als die der Kunst. Da verläuft jener Riss, in dem Hamlet, der junge Intellektuelle, vor der Macht stehend immer nur versinken kann. Enttäuschte Idealisten sind immer nur wieder neues Futter für die gefräßige Machtmaschine.

Der Anspruch hier am Theater Vorpommern ist hoch, das Unternehmen gewagt. Shakespeares „Hamlet" und Heiner Müllers „Hamletmaschine" als Doppelpremiere, allerdings ohne jene dramaturgische Verschränkung, in der Müller im Wendewinter 1989/90 diese Inszenierung am Deutschen Theater in Berlin herausbrachte. Der am Ende siegreiche Fortinbras wechselte im Schatten der Realgeschichte die Gestalt: von Stalin zur Deutschen Bank. Ein Stück ernüchternde Prosa über die Unspielbarkeit der Tragödie in einer Gegenwart, deren Banalität keinen Anfang und kein Ende zu kennen scheint: „Die Hähne sind geschlachtet. Der Morgen findet nicht mehr statt."

Johann Jörg hat dem „Hamlet" im Großen Haus in Greifswald eine bemerkenswerte Bühne gebaut: wie ein Schiffskiel mit Ausblick auf die Brandung vor uns oder auf ein mittels Meeresvideo animiertes Aquarium. Rechts und links öffnen sich Klappen: Die Bar zur Selbstbedienung hat immer geöffnet, selbst dann, wenn dies hier die Titanic sein sollte, mit Kurs auf den Meeresgrund.

Regisseur Reinhard Göber hat für seine Inszenierung einen Hamlet, der den Abend trägt. Tobias Bode (in Lars Werners „Weißer Raum" der Neonazi Patrick) zeigt intellektuelle Schärfe bei gleichzeitig traumverlorener Naivität, in der sich Hamlet verirrt. Ein Gespensterseher, der vor sich selbst davonlaufen möchte und stattdessen zum Angstbeißer mutiert. Angriff als längst verlorenes Traumspiel für die Kulisse. Theater, auf dem Theater zelebriert, nicht als Lehrstück, sondern als Vehikel gegen die eigene innere Leere, die ihn, den Verfolger, selbst verfolgt. Das ist sie, die „Mausefalle", aber wer ist die Maus — Stiefvater und neuer König Claudius (Markus Voigt), in Hamlets Augen ein Schänder der zur Hure mutierten Mutter, Königin Gertrud (Claudia Lüftenegger), oder Polonius (Mario Gremlich), der Vater von Ophelia (Friederike Serr)? Wohl eher er selbst, der von Gespenstern verfolgte Verfolger.

Göber aktualisiert den Habitus der Spielenden geradezu grell, signalisiert damit, dass derartige Macht-Wahn-Schaukämpfe tagtäglich stattfinden und man dabei nicht mehr weiß, ob die Toten am Ende virtuell oder real am Boden liegen. Besiegte sind sie allemal, der eigenen Hybris zum Opfer gefallen. Aber die Geschichte ist trotz Handy und bunter Animation immer noch da und nicht weniger grausam als zu den Zeiten Shakespeares. Verschoben, das zeigt die Inszenierung sehr gut, hat sich etwas anderes: Die Macht ist in die anonymen Strukturen eingewandert, die hilfreichen Mordgesellen Rosencrantz und Guildenstern stehen als kafkaeske Figuren vor uns, jovial maskierte Liquidatoren, von wem auch immer geschickt. Göber über die Aktualität des „Hamlet": „Ich bin sicher nicht der Einzige, der den Eindruck hat, wir hätten seit einigen Jahren einen veränderten Aggregatzustand der medieninduzierten Aufgeregtheit erreicht. Die Heftigkeit und Giftigkeit der Invektiven in Europa, ja im ganzen Westen und, wie man so sagt, im Rest der Welt hat zugenommen, und zwar in alle Richtungen: links gegen rechts, der rechte Rand gegen den linksliberalen Mainstream, oben gegen unten, Geschlecht gegen Geschlecht." Man spielt die Übersetzung von Jürgen Gosch und Angela Schanalec, das ist gut, das trägt den Abend. Der dennoch hinzugegebene verbale Füllstoff, Zeitgeist-Slang, dagegen stört, hat etwas von billiger Ranschmeiße, die diese solide Inszenierung nicht nötig hat.

Die parallel zum „Hamlet" entstandene „Hamletmaschine" auf der Studiobühne im Rubenowsaal, die auch in der zweiten Vorstellung fast ausverkauft ist (das spricht für die neue Theaterbegeisterung, die das Theater Vorpommern in den letzten beiden Jahren ausgelöst hat), verblüfft durch ihren unerwarteten Gestus. Was ist das? Eine extreme Zuspitzung des Kommentars bis zur Selbstaufhebung, eine befremdliche Müller-Parodie oder gar seine vorsätzliche Schändung? Man ist verwirrt und lässt sich doch fast überwältigen von diesem unerwartet respekt-losen Spiel mit der „Hamletmaschine", als finde diese zur bloßen Belustigung des Publikums auf einem Rummelplatz statt.

Eine Harlekinade! Regisseurin Annett Kruschke, Volksbühnen-trainiert, fürchtet sich nicht vor den Abgründen des Stoffes. Sie verordnet ihren vier Schauspielern (zweimal Ophelia, zweimal Hamlet) vor allem eins: Aktion. Und so platzen Felix Meusel, Feline Zimmermann, Susanne Kreckel und Ronny Winter als fröhlich-grausamer Zug herein, als gelte es, die Splatter-Version eines Klassikers aufzuführen, das Intellektuellendenkmal vom Sockel zu holen. Das wirkt ein bisschen wie eine Mischung aus „Alice im Wunderland" und „Kinder des Olymp". Mit staunensrund aufgerissenen Augen und Mündern stehen sie wie böse Clowns vor dem Text, der ihnen offenbar in einer fremden Sprache geschrieben ist. Sie sprechen ihn nicht, sie spielen ihn. Werfen die Worte gegen die Wand und horchen, wie sie verstummend zu Boden fallen. Die „Hamletmaschine" szenisch aufgefasst, das scheint tatsächlich irgendwie avantgardistisch, jedenfalls völlig unerwartet. Man lässt auch ausgiebig die Luft aus Luftballons, oh-oh-oh!, das quietscht, ratscht und klingt mitunter geradezu obszön.

Was passiert, wenn man Müller eins zu eins beim Wort nimmt. Eine Eulenspiegelei? Bloßes BLABLA? Am Anfang steht einer der beiden Hamletdarsteller mit dem Rücken zum Publikum, im Hintergrund eine Animation: Familie bei Tisch. So geradezu privatim beginnt es mit „Familienalbum": „Ich war Hamlet. Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung BLABLA, im Rücken die Ruinen von Europa." Ein Rückblick auf einen großen Mann, den man auf den Boden des Alltags zurückzuholen gedenkt, wann auch immer innerhalb des surrealen Traumstücks, das hier stattfindet. Großartig die dritte Ophelia, die Frau, die sich hier wegen einem wie Hamlet nicht länger im Fluss begraben lassen soll (will), eingespielt per Video; Ursula Werner, eine Wissende, wie jedes ihrer Worte, die zugleich Müllers Worte sind, offenbart.

Die Geschichte des in die Irre gehen-den Helden Hamlet ist beim ersten Mal eine Tragödie, beim zweiten ein Satyrspiel — und was folgt dann? Eine postmoderne Zeitschleife? Die Frage wird ausgesprochen, aber nicht beantwortet. Mit seiner „Hamletmaschine" stellte sich Heiner Müller 1977 bewusst auf beide Seiten der Front im Kalten Krieg. Sein Platz sei über der Barrikade, so Müller. Das kann man Konvergenztheorie nennen, ein Verhaken der sich gleich und gleicher (damit auch kleinbürgerlicher) werdenden Systeme, die ihre feindlichen Ritualen beibehalten, während doch die Synthese beider unmittelbar bevorsteht. Damit auch der Tod der Tragödie, um nicht gleich generell von Geist zu sprechen? Die Politiker nehmen nun den Schauspielern ihre Rollen weg, eine andere Art von Schauspiel beginnt, wie Müller es voraussagt, eines, das im „Kopfsprung in die blinde Praxis" mündet.

Nein, einen Abschluss, gar einen runden, kann „Hamlet" im Zusammenstoß mit „Hamletmaschine" nicht finden. Dass es An-nett Kruschke gar nicht erst versucht, spricht für ihre szenische Intelligenz, mit- der sie Müller beim Wort nimmt, seinem Selbstkommentar: „Inszenierung ist, das verstehen die Kritiker auch darunter, dem Publikum eine Bedeutung aufzudrängen, das ist Inszenierung. Deswegen ist keine Inszenierung eigentlich das Ziel. Die Bedeutung ist Sache des Publikums." So betrachtet ist das Experiment „Hamlet"/„Hamletmaschine" unbedingt gelungen. Die Worte rumoren fortgesetzt wo-anders, weiter unerlöst.

 

Gunnar Decker, Theater der Zeit, Dezember 2019