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Michael Kohlhaas

von Heinrich von Kleist
Bühnenfassung von Franziska Steiof

Termine

  • 22.01.2020 20:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 23.01.2020 10:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 31.01.2020 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen
  • 03.03.2020 10:00 Uhr Putbus Karten kaufen
  • 06.03.2020 10:00 Uhr Rubenowsaal (Stadthalle), Greifswald Karten kaufen
  • 14.03.2020 20:00 Uhr Gustav-Adolf-Saal (Jakobikirche), Stralsund Karten kaufen

Als der angesehene brandenburgische Pferdehändler Michael Kohlhaas eine Koppel Pferde nach Sachsen führen will, wird er vom Junker Wenzel von Tronka genötigt, zwei Pferde auf der Tronkenburg zurückzulassen: Neuerdings sei ein Passschein zum Überqueren der Grenze erforderlich, den er sich erst besorgen müsse. Doch am Ende ist Kohlhaas um seine Pferde geprellt. Er schlägt den Rechtsweg ein, doch obwohl er sich klar im Recht befindet, wimmeln ihn die Behörden als Querulanten ab. Von Vetternwirtschaft und der Willkür der Obrigkeit erbost, setzt Kohlhaas alles auf eine Karte: Er gibt Familie, gesellschaftliche Position und all sein Hab und Gut auf, allein um in seinem verhältnismäßig geringfügigen Streitfall moralisch und juristisch Gerechtigkeit zu erlangen, bis ihn sein übermäßiges Rechtsempfinden zum Räuber und Mörder werden lässt.

PRESSESTIMME

Luther im Hippie-Look

Die Stoff der Kleist-Novelle „Michael Kohlhaas“ hat durchaus aktuelle Bezüge. Am Donnerstag hatte das Stück in Greifswald Premiere.

Obrigkeitswillkür, Machtmissbrauch und Vetternwirtschaft sind keine Erfindungen der heutigen Zeit. So etwas hat es schon vor Hunderten von Jahren gegeben. In „Michael Kohlhaas“, Heinrich von Kleists wohl berühmtester Novelle, dreht sich schließlich alles darum. Vor allem geht es in ihr aber um Recht und Gerechtigkeit, eine Debatte, ohne die auch heute kaum ein Tag in der Politik vergeht. Kleists Stück stammt von 1810. Er lässt es aber in der Zeit Martin Luthers, also vor gut 500 Jahren, spielen.

Die vielen aktuellen Bezüge sind natürlich der Grund, warum das Theater Vorpommern sich entschlossen hat, die Novelle in der Bühnenfassung von Franziska Steiof auf den Spielplan zu setzen. Donnerstag war Premiere im Greifswalder Rubenowsaal.

Sie war gut besucht, denn unter die Gäste hatten sich auch 29 Mädchen und Jungen plus Lehrer einer 9. Klasse des Greifswalder Jahngymnasiums gemischt. Die Schülerinnen und Schüler folgten dem Geschehen sehr aufmerksam. Denn schon während der Proben durften sie den Theaterleuten über die Schultern schauen. „Dieses Angebot steht allen Schulen offen“, sagt Oliver Lisewski. Denn „Michael Kohlhaas“ sei auch eine Bereicherung des Deutschunterrichtes, obwohl das Stück nicht auf dem Lehrplan stehe, sagt der Dramaturg. Trotzdem werde es auch einige Vorstellungen vormittags um 10 Uhr geben, fügt er hinzu.

Die Handlung ist schnell erzählt. Michael Kohlhaas ist Pferdehändler in Brandenburg. Er will seine Rappen nach Sachsen zum Verkauf führen und muss dabei das Land des Junkers Wenzel von Tronka queren. Daran wird er jedoch gehindert, denn Tronka verlangt plötzlich einen Pass-Schein. Da Kohlhaas ein solches Papier nicht besitzt, ist er genötigt, zwei seiner Tiere als Pfand zurückzulassen. Als er sie bei seiner Rückkehr abholen will, sind sie durch den Einsatz bei der Feldarbeit abgemagert und somit wertlos. Kohlhaas ist erbost, erhofft sich aber über den Rechtsweg Gerechtigkeit. Doch daraus wird nichts. Überall wird er abgewimmelt, woraufhin er außer sich gerät. Er setzt nun alles auf eine Karte, gibt nicht nur sein Hab und Gut auf, sondern auch seine Familie und gesellschaftliche Position. Doch auch all das nutzt nichts. So greift er schließlich zum Mittel der Selbstjustiz und wird zum Brandschatzer und Mörder.

Höchst eindrucksvoll gelingt es den Machern, die Handlung, die auf Ländereien in Brandenburg und Sachsen sowie in großen Städten spielt, auf wenige Quadratmeter zu projizieren. Ausstatterin Kerstin Laube setzt dabei auf wenige Requisiten. Die lässt sie aber wirkungsvoll zum Einsatz kommen. Den Raum hält sie dunkel, die Figuren hell und farbig. Eine Nebelmaschine hüllt den Rubenowsaal zwischenzeitlich in Rauch. So sieht Brandschatzen auf der Bühne aus. Eine clevere Idee. Eingespielte Soundcollagen fassen die Handlung an bestimmten Stellen zusammen.

Regisseur Oliver Scheer begnügt sich mit drei Schauspielern: Tobias Bode spielt den Kohlhaas. Susanne Kreckel und Markus Voigt schlüpfen in mehrere Rollen. Die Kostüme sind zumeist an die Historie angelehnt. Luther kommt im Kontrast dazu fast wie ein Hippie daher. Und zum Schluss endet man im Heute. Mit feinem Zwirn. Darüber kann man sicher diskutieren. Und das ist sicher auch gewollt, denn die Kleist’sche Novelle, so Regisseur Oliver Scheer, bietet insgesamt viel Stoff zum Disput. Und sie stellt vor allem Fragen. Zum Beispiel diese: Warum driften rechtschaffende Menschen ins Kriminelle ab und versuchen dann noch, ihr Verhalten zu rechtfertigen und zu legitimieren. Kennen wir das nicht auch aus der Gegenwart?

Reinhard Amler, Ostsee-Zeitung