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Monty Python's Spamalot

Musical von John du Prez (Musik) & Eric Idle (Musik, Buch & Liedtexte)

Termine

Spamalot — das Musical, erzählt die legendäre Geschichte von König Artus und seiner Tafelrunde neu und handelt von Rittern und ihren verqueren Heldentaten. Es bietet „eine Menge schöner Girls, Kühe, Killerkaninchen und Franzosen“. Vorbild ist die mittlerweile klassische Filmkomödie „Monty Python and the Holy Grail“ („Die Ritter der Kokosnuss“). Der geheimnisvolle Titel (das Wort „Spamalot“ wird man in keinem Wörterbuch finden) hat seinen Ursprung im Film, wo es heißt: „We eat ham, and jam and spam a lot.“ Wobei mit spam Büchsenfleisch gemeint ist, nicht die Viagra-Werbung im Internet. Dosenfutter ist allerdings in einer liebevoll gemeinten Parodie der Grals-Geschichte nicht weniger anachronistisch als das Internet und dessen Plagen. Am Broadway lief „Monty Python’s Spamalot“ von 2005 bis 2009 und gewann drei Tony Awards, unter anderem für das beste Musical.

PRESSESTIMME

Monty Python's Spamalot - Always Look on the Bright Side of Life

Kein Abend für Spaßbremsen! Wer zum Lachen lieber in den Keller geht, der sollte auf keinen Fall Peter Reins aberwitzig inszenierte Gral-Suche am Theater Vorpommern besuchen. Ein spiel- und gesangsfreudiger Cast führt das Comedy-Musical in sehenswerter Ausstattung (Xenia Hufschmidt) zum Erfolg.

Auch wenn zunächst ein Foto von "Brexit-Boris" zu sehen ist: der Politiker mit der strubbeligen Frisur ist natürlich nicht der angekündigte englische Herrscher, der sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral machen wird. Hektisch wird seine Projektion gegen die eines ins Publikum grinsenden Königs Artus ausgetauscht. Welch peinliche Verwechslung – aber gewollt!

Bereits in den ersten Momenten dreht Peter Rein genüsslich an der Gag-Schraube und gibt die Richtung für die kommenden 160 Minuten vor: Britischer, vor nichts und niemandem zurückschreckender Humor verballhornt mit hämischer und manchmal auch sehr obszöner Respektlosigkeit die Artus-Sage, das Genre Musical und den typisch deutschen Stadttheater-Betrieb. Reins Regiearbeit hält bis zum Finale das hohe Tempo mühe- und zügellos durch und bedient – wie im Fall der furzenden französischen Ritter – nur selten Geschmacklosigkeiten. Darüber hinaus würzt er die brillante, auf dem Monty Python-Film "Der Ritter der Kokosnuss" basierende Vorlage mit eigenen Zutaten. So mutiert zum Beispiel ein riesiges, lila Plüsch-Einhorn zu Simba aus dem Löwen-König oder Gott bläst zur Suche nach dem Heiligen Gral, indem ein heliumgefüllter Pokal in Form eines Luftballons hereingetragen wird.

Das aberwitzige Geschehen spielt zwischen mittelalterlich anmutenden, düsteren Wehrtürmen und einem drehbaren Burggebäude, von Ausstatterin Xenia Hufschmidt mit bunten, plüschig-flauschigen Zinnen bekrönt. Zwischenvorhänge und wenige, rollbare Versatzstücke für den Wald der Ni-Ritter ermöglichen rasche Szenenwechsel und bremsen damit nie den turbulenten Ablauf. Sehenswert ist auch Hufschmidts buntes Kostümbild mit allerlei parodistischen Anleihen.

Auf dem hochgefahrenen Orchestergraben sitzt eine fabelhafte Sechs-Mann-Band. Unter der Leitung von Sebastian Undisz, der auch immer wieder mit Requisiten eigene Gags setzen darf, spielen die Musiker mit großer Leichtigkeit die dem klassischen Broadway-Sound verpflichtete Partitur von John du Prez und Eric Idle. Ein Triumph ist nach der Pause der Hit-Song "Nimm das Leben beschwingt", zu dessen Original-Worten "Always Look on the Bright Side of Life" das Publikum begeistert mitpfeift.

Eine große, angenehme Überraschung ist die als Musical-Ensemble eingesetzte Komparserie des Theaters Vorpommern, für die Lea Hladka einfache, aber sehr effektvolle, revueartige Choreografien entworfen hat. Es passt sehr gut zum Charme des Stückes, dass keine Profi-Sänger und -Tänzer auf der Bühne stehen. In vielen kleinen, meistens stummen Auftritten und in der großen "Camelot"-Shownummer glänzt die Truppe und steht alles andere als im Schatten der Profis.

Die allesamt aus dem Schauspiel-Ensemble des Theaters Vorpommern rekrutierten Ritter der Tafelrunde schmeißen sich mit großer Lust in ihre Rollen, spielen genüsslich jede noch so große Albernheit aus und setzen ihre Gags, ohne mit der Wimper zu zucken auf den Punkt genau. Tobias Bode (Sir Robin), Benjamin Krüger (Sir Lancelot), Mario Gremlich (Sir Galahad), Friederike Serr (Sir Belvedere) und Felix Meusel (Knappe Patsy) verkörpern im Laufe der Vorstellung noch weitere Rollen und zeigen dabei ihre ungemeine Wandlungsfähigkeit. Dies gilt auch für Hubertus Brandt, der vom im breitesten norddeutschen Akzent schwadronierenden Historiker bis zum tuffig-tuntigen Jüngling Herbert in gleich sechs sehr unterschiedlichen Partien präsent ist. (…)

Manfred Ohnoutka (König Artus) und Feline Zimmermann (Die Fee aus dem See), beide ursprünglich aus dem Musicalfach und jetzt im Schauspiel engagiert, spielen und singen zwar jeweils nur eine einzige Rolle, das aber unendlich komisch und auf Top-Niveau. Ohnoutka ist ein leicht begriffsstutziger Herrscher, der sich mit großem Eifer daran macht, die ihm und seinen Rittern gestellten Missionen zu erfüllen. Trocken und mit gekonnter Mimik setzt er seine Pointen und gewinnt dem Artus im Song "Ich bin allein" drollig-depressive Züge ab. Sein runder Bariton harmoniert sehr gut mit Zimmermanns Musical-Sopran, mit dem sie als exaltiert-divenhafte "Leading Lady" der Show besonders in "Wann geht's hier wieder 'mal um mich?" den gesanglichen Höhepunkt des Abends setzt.

"Vielleischt es ihs Künst?" fragen im Stück die französischen Wachen. Wer sich auf Albernheiten, Klamauk und den ein oder anderen derben Witz einlässt, für den ist "Monty Python's Spamalot" am Theater Vorpommern auf jeden Fall Kunst: Die Kunst einfach hervorragend unterhalten zu werden!

Kai Wulfes, musicalzentrale.de, 07.12.2019