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Weißer Raum

von Lars Werner

Termine

  • 27.04.2019 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • anschließend SENF DAZUGEBEN mit Dr. Rieke Trimcev, Universität Greifswald (Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte)
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  • 05.05.2019 16:00 Uhr Großes Haus, Stralsund
  • Anschließend SENF DAZUGEBEN mit Prof. Dr. Michael Sauthoff und dem Dramaturgen Oliver Lisewski.
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  • 25.05.2019 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald
  • 18:45 Uhr wird im Foyer eine Einführung angeboten. Anschließend SENF DAZUGEBEN mit dem Dramaturgen Oliver Lisewski.
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  • 07.06.2019 19:30 Uhr Großes Haus, Greifswald Karten kaufen
  • 16.06.2019 18:00 Uhr Großes Haus, Stralsund Karten kaufen

„Früher war alles besser“ – weil Deutschland von Ausländern, Migranten und Flüchtlingen „rein“ war? Einige, vielleicht sogar nicht wenige, denken so. Lars Werner greift Meinungen wie diese in seinem mit dem Kleist-Förderpreis-2018 ausgezeichneten Theaterstück „Weißer Raum“ auf: Eine Frau ruft um Hilfe. Man wird nie erfahren, was wirklich in dieser Nacht auf dem Bahnsteig geschah – zwischen einem Geflüchteten und Marie, der Journalistin, die er bedrängte. Man wird den Fremden nicht mehr fragen können, denn Uli, der Gleiswärter, der Marie zu Hilfe kommt, schlägt ihn tot. Ein Unfall, Notwehr oder Absicht?

Der hochaktuelle Text von Lars Werner ist ein Vexierspiel mit der Wirklichkeit, die sich an der Oberfläche oft ganz anders darstellt, als sie ist. Das Stück erlebt am Theater Vorpommern seine zweite Inszenierung nach der Uraufführung bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen im vergangenen Jahr.

PRESSESTIMME

Ich bin die Bewegung!

Weißer Raum – Reinhard Göber inszeniert am Theater Vorpommern Lars Werners Kleist-Förderpreisgekröntes Stück zum Rechtspopulismus

Verstörend, wenn die Fassade brökelt. Leere dort, wo nichts mehr zum Festhalten bleibt. Stefan Heyne leistet mit seinem Bühnenbild der Regieanweisung von Lars Werners "Weißer Raum" wortwörtlich Folge. Alles ist weiß. Ein weißes Chaos. Eine archäologische Müllhalde. Weiße Stühle stapeln sich auf weißen Tischen zwischen weißen Schränken. Vor einer weißen Badewanne ruht ein weißer Autoreifen. Daneben ein weißer Weihnachtsbaum.

Bunte Schlaglichter

Die Farbe weiß symbolisiert das Nichts und damit Unverbindlichkeit und Unsicherheit. Sie wird aber auch anders assoziiert. Von rechts wird gefordert, dass alles "Multikulti", alles Fremde sich assimilieren, gefälligst verschwinden, weiß werden soll. In der Kunstwelt dient weiß als bevorzugtes Display, das das Dargestellte erhöht, um es genauestens auf seine Details zu durchleuchten. […]

Misstrauen gegen den Helden

Im Zentrum steht der Gleiswärter Uli aus Lampertswalde bei Dresden, der die Journalistin Marie vor einer Vergewaltigung rettet, indem er den nordafrikanischen Täter totschlägt. Von Vielen als Held gefeiert, traut Marie seinem Rettungsmotiv nicht. Sie recherchiert, knapst an ihrem Opfer-Stigma und versucht Uli für einen Artikel über Rechtsextremismus zu benutzen, um ihre Journalistenkarriere voranzutreiben. Ulis Sohn Patrick, der wegen eines Angriffs auf einen Araber im Knast sitzt, versucht derweil seine rechtsradikale "Bewegung" voranzubringen.

Vor dem Zuschauer entspannt sich ein Psychogramm unterschiedlicher, sich ineinander verstrickender Ambivalenzen. Ein Haufen schuldiger Unschuldiger. Dabei gelingt es Werner, sich jeder Bewertung zu enthalten. Frei nach dem Motto, die Wirklichkeit ist ein Vexierspiel, hat er seine Beobachtungen aufgezeichnet. Denn nach eigener Aussage hat der 1988 in Dresden Geborene als aktives Mitglied der linken Szene in einer sächsischen Kleinstadt einiges miterlebt und in dem Stück verarbeitet.

Göber schafft es, diese nicht wertende Haltung (fast) während der gesamten Spielzeit von gut eineinhalb Stunden beizubehalten. Wie geplant, fungiert die Bühne als Plattform, auf der sich die verschiedenen Positionen gegeneinander ausspielen. Wie authentisch, ja fast leidenschaftlich die acht Schauspieler die unterschiedlichen Figuren verkörpern! Ob dies auch daran liegen könnte, dass das Stück im Osten spielt und im Osten aufgeführt wird, bleibt dahingestellt. Mario Gremlich nimmt man die Figur des anständigen, doch nur für Recht und Ordnung in "unserem Deutschland sich sorgenden" Gleiswärters Uli ab, ohne dass dies klischeemäßig oder überheblich wirkt.

Politischer Diskurs

Tobias Bode spielt authentisch den cholerisch-aggressiven Provinz-Nazi, der mit rassistischen Schlagworten wie "Schoki" oder "Bimbo" um sich wirft. Er warnt vor Überfremdung in Form von Werbeplakaten auf arabisch und brüllt: "Ich bin die Bewegung!" Vor allem auch Maria Steurich begeistert als linksliberale Journalistin Marie. Treffend wechselt sie zwischen ihrer professionellen Journalistenidentität und der puren Verzweiflung angesichts der Instrumentalisierungen im politischen Diskurs. "Warum schreiben wir nicht, dass es ein rechtes Problem gibt, dass rechts nicht mehr nur der Rand, sondern längst die die Mitte ist?" [...]

Annemarie Bierstedt, nachtkritik